Ich geb es ungelogen zu, ich habe Charisma lange für etwas gehalten, das manche Menschen halt haben und andere eher nicht. So wie eine gute Stimme, ruhige Hände oder dieses lässige Auftreten, das nie nach Anstrengung ausschaut. Ich glaube, ich bin da nicht der einzige, der so eine Haltung zu charismatischen Leuten hat.
Dann bin ich über dieses kurze Video von Henry Grey Earls gestolpert und der Gedanke ist mir seither nicht mehr ganz aus dem Kopf gegangen. X plus 1. X ist das Erwartbare. Freundlich nicken. Danke sagen. Eine Nachricht beantworten. Im Lift schweigen, weil alle schweigen.
Das Plus 1 ist winzig. Ein ehrlicher Zusatz. Eine Frage, die nicht automatisch klingt. Ein Kompliment, das nicht nach Pflichtübung riecht. Ein Moment, in dem man kurz mehr da ist, als notwendig wäre.
Vielleicht liegt genau dort diese stille Form von Sympathie. Nicht im Glänzen, sondern im Wahrnehmen. Ich merke, wie oft ich im Alltag nur mein Programm abspule. Schnell zum Spar, schnell heim, schnell weiter. Dabei wäre manchmal ein Satz genug. Ich will das üben. Vorsichtig, ohne mich selber zu inszenieren.